Gläserne Schuhfabrik    - Schuhfabrikation direkt erleben -


 


Produktionsführer
 

Handnahtmachart

Arbeitsbeschreibung

 
 
Stanzerei
 
Oberleder stanzen

Leder ist der teuerste Rohstoff am Schuh.
An der Qualifikation des Stanzers liegt es, einen möglichst großen Nutzungsgrad zu erzielen. Er muss dabei die unterschiedliche Beschaffenheit dieses Naturproduktes beachten. Struktur und Farbe sind in der Lederhaut unterschiedlich und auch die Zugfestigkeit ist nicht an jeder Stelle gleich. Darüber hinaus gilt es auch Materialfehler zu umgehen: Insektenstiche, Peitschhiebe und Verletzungen durch Stacheldrahtzäune sind auch noch nach der Gerbung deutlich zu sehen. Die Teile müssen wegen der unterschiedlichen Lederstruktur paarweise gestanzt werden.


Futter
stanzen

Pigskinleder: Wie beim Oberleder, müssen beim Lederfutter auch die Teile für die Innenausstattung einzeln ausgestanzt werden.
Sympatexmembrane: Diese Material ist hauchdünn und lässt sich nur in Verbindung mit einem Trägermaterial verarbeiten.
Zwischenfutter: Ein Baumwollgewebe dient zur Formstabilisierung. Es ist nur in einer Richtung zugfest und die Stanzmesser müssen deshalb so ausgerichtet werden, dass sich das Material in der Schuhlängsrichtung nicht dehnt.


Spalten

Nicht alle Oberlederteile können mit der gleichen Materialstärke verarbeitet werden. Die Stärke ist abhängig von der Festigkeit des Leders und der Lage am Schuh. Die Materialstärke von aufliegenden Besätzen und Polsterteilen im Einschlupfbereich werden reduziert, um den Tragekomfort zu erhöhen. Die Einstellung der Maschine kann auf den 1/10 mm genau vorgenommen werden.


Stempeln

Damit eine paargenaue Weiterverarbeitung gewährleistet ist, werden die Ober-lederteile neben der Fertigungsauftragsnummer und Größe mit einer Paarnummer versehen.
 

Stepperei
 
Prägung


 

Josef Seibel – Schuhe sind deutlich mit dem Firmenlogo gekennzeichnet, entweder durch eine Prägung oder aber durch ein eingestepptes Formteil.
 


Schärfen

Es gibt verschiedene Schärfschnitte, die im wesentlichen von der weiteren Kantenbearbeitung und der Lage des Teiles am Schuh bestimmt werden. Z.B.: Der Oberlederschaft besteht immer aus mehren Teilen, die per Steppnaht zusammengeführt werden. Dabei entstehen Untertritte (Überlappungen) zum Fuß hin. Diese Untertritte müssen ausgeschärft (keilförmige Ausdünnung) werden. Dadurch entsteht ein fließender Materialübergang der verhindert, dass am Fuß Druckstellen entstehen.


Unterbügeln

Zur besseren Formbeständigkeit werden die Leder auf der Rückseite mit einem Baumwollgewebe verstärkt. Das bereits auf der Baumwollrückseite aufgebrachte Thermoklebstoffgranulat schmilzt bei ca. 80 Grad in der Maschine und verbindet Leder und Baumwollgewebe.


Einbügeln Vorderkappe/ Hinterkappe


 

Gleichwohl als Formstabilisatoren wie auch als Stoßschutz werden die Verstärkungen in Spitze und Ferse eingearbeitet.


 


Metall-embleme-/Nieten setzen


 

Hier wird zunächst das Nietober- und -/Unterteil von Hand im Schaft zentriert. Danach werden die Teile in die Maschine eingeführt und genau in Lage gebracht. Durch den Anpressdruck schieben sich beide Metallteile ineinander und werden dabei unlösbar miteinander verbunden.
 
Futter steppen


 

Mit einfachem Steppstich oder mit dem Kettelstich (Zickzack-Naht) werden die Futterteile zusammengesteppt.
 
Nähte verschweißen


 

Bei der Sympatexausführung müssen alle Stichlöcher im Innenfutter verschweißt werden. Ein synthetisches Band wird mittels Hitze und Druck über der Futternaht verschmolzen, damit ein Wassereintritt verhindert wird.
 
Oberleder steppen

Wie beim Futter, werden auch die Oberleder mittels Naht zusammengeführt (Haltenähte). Der Unterschied liegt im wesentlichen darin, dass je nach Nahtart unterschiedlich starke Fäden erforderlich sind. An stark belasteten Stellen wird die Naht durch eine weitere Begleitnaht verstärkt. Weitere Nahtarten sind: Spannnaht, Hochkantnaht und Sturznaht.


Spannnaht ausreiben/ Band auflegen


 

Oberlederteile die mittels Spannnaht (Materialkanten zeigen zum Fuß hin) zusammengesteppt wurden, müssen geglättet werden damit am Fuß keine Druckstellen entstehen können. Gleichzeitig wird ein mitlaufendes Klebeband aufgelegt.
 


Ziersteppen


 

Ziernähte dienen lediglich der Optik des Schuhes und haben in der Regel keine Haltefunktion.
 
Futter einsteppen

An dieser Stelle finden Ober- und Futterschaft zusammen. Beide Teile sind schon geschlossen und man kann schon eine sich andeutende Fußform erkennen. In dem Zustand lassen sie sich unter der normalen Flachsteppmaschine nicht mehr bearbeiten, deshalb sind Säulenmaschinen notwendig. Futter- und Oberschaft können problemlos über die schlanke Steppsäule geführt und die Nähte in der Schaftrundung angebracht werden. Ein zuschaltbares Messer beschneidet gleichzeitig den Futterüberstand.


Bugen

Beim Bugen wird die Oberlederkante maschinell auf eine eingestellte Breite umgeschlagen und verklebt. Auf die Transportgeschwindigkeit eingestellt, fließt Klebstoff durch eine Düse direkt auf die Materialkante, die dann in der Führung hochgekantet und durch ein nachgeschaltetes Hammerwerkzeug verpresst wird.


Schnürösen setzen

Der Ösenautomat stanzt die Ösenlöcher vor und setzt in gleichem Arbeitsgang die Metallösen ein.

 
Zwischensohle einstrobeln

An der Spezialmaschine wird der Futterschaft mit dem Einstrobeln der Zwischen-sohle nun auch im Bodenbereich geschlossen.

 


Vorrichten/ Schaftkontrolle

Neben verschiedenen Vorrichtarbeiten ist die Schaft-Qualitätskontrolle eine wesentliche Hauptaufgabe. Mängel in Material und Verarbeitung können bis zu diesem Stadium noch in wirtschaftlich vertretbarem Aufwand korrigiert werden. Wenn Fehler hier übersehen werden, sortiert die Schlusskontrolle die Schuhe aus und sie müssen neu angefertigt werden.

 
Montage/Finish
 
Schaft vorformen

Durch ein Dämpfgerät erhitzt und erweicht, wird der Schaft mit dem Vorderblatt in den Haltezangen justiert. Das Leder wird nun durch einen Druckzylinder auf die Leistenspitzenrundung ausgeformt. So vorgeformt, lässt sich der Schaft mit weniger Kraftaufwand an die Sohle anflechten.
 


Schaft einleisten

Auf dem Zwickstock (Leistenhalterung) wird der Schaft auf den Leisten aufgezogen und in Länge und Breite nach der Strobelnaht am Leistenrand ausgerichtet. Danach wird die Strobelnaht mit dem Hammer geglättet und der Schaft mit dem Schnürsenkel geschnürt.
 


Zwischensohle zementieren

Die Zwischensohle wird mit dem Klebstoffauftrag für die Verklebung mit der Sohle vorbereitet. Der wasserlösliche Spezialklebstoff ist gleichmäßig aufzutragen und der Nahtbereich satt zu überdecken, damit die Stichlöcher abgedichtet werden.


Klebstoff-trocknung

Zur Klebstofftrocknung werden die Schuhe auf dem Schlitten in die Trockenkammer eingefahren. Nach 2,5 Minuten sind die Wasseranteile verdampft und der Klebstoff ausgehärtet.


Klebstoff aktivieren

Erst nach einer erneuten Erhitzung entwickelt der Klebstoff die eigentliche Klebewirkung. Zur Klebstoffaktivierung werden Sohle und Schuh in das Aktiviergerät eingefahren und hier 7 Sekunden lang erwärmt.


Sohle setzen/pressen

Nachdem Schuh und Sohle erhitzt wurden, muss es schnell gehen: Solange der Klebstoff aktiv ist, muss die Sohle auf dem Schuh ausgerichtet und der Pressvorgang eingeleitet werden. Trotz aller Eile ist höchste Genauigkeit erforderlich, damit die Übereinstimmung der Stichlöcher von Sohle und Schaft gewährleistet bleibt.


Ausleisten

Mit Muskelkraft wird der Leisten eingeklappt, erst dann kann er aus dem Schuh über die Ferse entnommen werden.


Schaft anflechten

Erst jetzt sind wir an der Stelle angekommen, an der der Schaft in traditioneller Art und Weise mittels Nadel und Faden von Hand an die Sohle angeflochten wird. Je nach Modell und Schuhgröße sind 40 bis 75 Minuten erforderlich, um ein einziges Paar zu flechten. Eine Arbeit, die viel Kraft und Ausdauer erfordert. An dieser Stelle möchten wir Sie animieren, diese Handwerkskunst doch selbst einmal zu probieren. Unsere Mitarbeiter werden Sie sorgsam in die Stichtechnik einweisen.


Schuh ausformen


Auch wenn durch das Anflechten aus Sohle und Schaft ein Schuh geworden ist, ist es bis zum Einkartonieren noch ein langer Weg. Zunächst wird das Schuhmaterial in einem Dämpfgerät geschmeidig gemacht und dann in der Ausformmaschine aufgeleistet. Die geteilte Spitzen- und Fersenform glättet jetzt durch den Anpressdruck Spitzen- und Fersenpartie des Schuhes. Unebenheiten müssen dabei von Hand nachbearbeitet werden.


Schuh einleisten

Zur Weiterbearbeitung muss der Schuh wieder eingeleistet und auf dem Leisten geschürt werden, damit der Schuh die exakte Lage wie später am Fuß erhält.
 


Schuh aufheizen

Der Schuh erhält im Heatsetter seine entgültige Leistenform. Nach genauer Zeittaktung wird der Schuh in diesem Wärmeofen auf ca. 100 Grad erhitzt. Alle Materialien, vor allem die verwendeten thermoplastischen Schaftklebstoffe werden dadurch weich und formbar. Die Materialspannung auf dem Leisten wird zusätzlich durch die Hitze erhöht, was bewirkt, dass sich alle Schaftmaterialien exakt den Leistenkonturen anpassen. Erst wenn sich die Klebstoffverbindungen mit dem Abkühlen wieder verfestigt haben, darf der Leisten entfernt werden. Eine langanhaltende Formbeständigkeit ist damit gewährleistet.


Nachkontrolle

Nach dem Auslauf aus dem Heatsetter wird der Schuh auf optimalen Sitz kontrolliert. Kleinere Unebenheiten können am Heißluftföhn geglättet werden. Unter Beimischen von Wasserdampf wird vermieden, dass das Leder überhitzt und Brandflecken bekommt.


Oberleder finishen

Je nach Materialart und gewünschter Optik, wird das Leder von Hand eingecremt oder aber gewachst und an der Walzenbürste poliert.
 


Ausleisten

Der Leisten wird jetzt letztmals aus dem Schuh entfernt

 
Fußbett einlegen

Das vorbereitete Fußbett wird in den Schuh eingelegt


 
Schnürsenkel einziehen

Mit geschickten Händen zieht die Arbeiterin unter Beachtung einer gleichmäßigen Längenverteilung den Schnürsenkel in den Schuh ein und bindet ihn zu.
 


Einkartonieren

In Seidenpapier eingelegt, entschwindet der Schuh nach bis zu 150 Arbeitsgängen im Karton.


Etikettieren

Der Karton erhält nun ein entsprechendes Etikett, aus dem die Fertigungsauftragsnummer, der Artikel, die Farbe und die Größe hervorgeht. Zur besseren Flusskontrolle ist das Etikett mit einem maschinell lesbaren Code versehen.
 

Schlusswort  
 


Liebe Besucher, wir hoffen, dass wir Ihnen die wesentlichen Merkmale eines hochwertigen Komfortschuhes überzeugend vermitteln konnten. Gerne können Sie sich bei einer Anprobe von unserem Josef Seibel – Qualitätsprodukt überzeugen.
Vor allem interessiert uns Ihre Meinung und würden uns deshalb über Ihren Eintrag in unser Gästebuch sehr freuen.
Mit freundlichen Grüßen und auf Wiedersehen


C.A. Seibel
Firma Josef Seibel GmbH